Zur Geschichte Wiesbadens
Wiesbaden wurde von den Römern „Aquae Mattiacorum“ genannt – nach den hier ansässigen Mattiakern, einem Stamm der germanischen Chatten, dessen Angehörige sich vermutlich schon früh mit der ursprünglich keltischen Bevölkerung vermischt hatten. Siedlungsspuren sind im Stadtgebiet bereits für die Jungsteinzeit nachgewiesen (um 3000 v.d.Z.). In die spätaugusteische Zeit (um 6–15 n.d.Z.) ist ein erster Militärposten (Erdkastell) auf dem Heidenberg zu datieren; wenig später begann mit dem Ausbau der Thermen die Entwicklung einer zivilen römischen Siedlung. Diese wurde um 370 mit einer Mauer befestigt – Reste dieser so genannten Heidenmauer sind bis heute erhalten.
Wiesbaden Anfang des 20. Jahrhunderts
Ende des 4. Jh. übernahmen Alemannen die Sicherung Wiesbadens als Mainzer Brückenkopf, rund ein Jahrhundert später setzte die Besiedlung durch Franken ein. Bereits in merowingischer Zeit war der Ort, 828/30 dann erstmals als „Wisabada“ bezeichnet, Sitz eines Königshofs. Seit dem Spätmittelalter gehörte Wiesbaden den Grafen von Nassau. Im 13. Jh. war es bis zur Zerstörung durch den Mainzer Erzbischof 1242 vorübergehend Reichsstadt. 1547 und 1561 vernichteten Brände fast die gesamte mittelalterliche Bausubstanz. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte verheerende Wirkungen mit sich. Doch ab 1690 wurde die Stadt, die damals nur rund 730 Einwohner zählte, erweitert und neu befestigt. 1744 verlegte Fürst Karl von Nassau-Usingen seine Residenz in das Biebricher Schloss; Wiesbaden wurde Sitz der Regierung des Fürstentums, später des Herzogtums Nassau (1806–1866).

Wiesbadener Kurhaus
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem internationalen Kurort. Dem Aufschwung Wiesbadens tat die Annexion Nassaus durch Preußen 1866 keinen Abbruch. Wiesbaden wurde Hauptstadt eines Regierungsbezirks und beliebter Ruhesitz von Offizieren, höheren Beamten und Rentiers, die von ihren Pensionen beziehungsweise den Zinsen ihrer Vermögen lebten. Das Stadtbild wurde geprägt von repräsentativen Wohnhäusern, Hotelpalästen und vornehmen Villen. Die Bevölkerungszahl insgesamt wuchs rapide und überschritt 1905 die Grenze von 100.000 Einwohnern.
Der Erste Weltkrieg, die nachfolgende französische und englische Besatzung bis 1930 sowie die Weltwirtschaftskrise schwächten die Finanzkraft der Stadt erheblich; auch die Eingemeindungen von Vororten in den Jahren 1926 und 1928 änderten daran nur wenig. Seine einstige Bedeutung als „Weltkurstadt“ hatte Wiesbaden verloren.

Thiersch-Saal
Seit 1933 befanden sich in Wiesbaden zahlreiche Dienststellen des NS-Unrechtsregimes. Auch von hier aus erfolgten Deportationen von Juden sowie von Sinti. Etliche Wiesbadenerinnen und Wiesbadener unterschiedlichster politischer Couleur wurden verfolgt, weil sie sich dem Regime widersetzten.
Im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenig zerstört, wurde Wiesbaden 1945 Hauptstadt des Landes Hessen, in der sich neben Behörden unter anderem zahlreiche Verlage, Versicherungen sowie Betriebe der Filmindustrie ansiedelten. Darüber hinaus spielt Wiesbaden als Kur- und Kongressstadt sowie als einer der bevorzugten Wohnorte der Rhein-Main-Region eine herausragende Rolle.
Die evangelische Marktkirche wurde 1852-1862 von Karl Boos als neogotische dreischiffige Basilika erbaut. Der Westturm mit einer Höhe von 92 m macht sie zum höchsten Gebäude der Stadt. Die Kirche ist der erste reine Ziegelbau im Herzogtum Nassau.

Marktkirche Vor der Marktkirche befindet sich Der Schweiger - ein Denkmal für Wilhelm von Oranien (1533-1584).
Das Wiesbadener Stadtwappen
Als offizielles Wappen der Stadt Wiesbaden gilt durch den Magistratsbeschluss vom 3. Mai 1905 ein mit drei gelben Lilien auf blauem Grund belegter Schild. Damit beendete der Magistrat einen Streit um das Wappen, in dessen Verlauf immer wieder zwei Dinge, nämlich Siegelbild und Stadtwappen, miteinander vermischt worden waren.
Siegel und Wappen haben aber ganz unterschiedliche Funktionen. Siegel wurden seit dem frühen Mittelalter als Beweismittel und für die Beglaubigung von Schriftstücken verwendet; Wappen entstanden erst seit dem späten 12. Jh. im Turnierwesen und waren in erster Linie Erkennungs- und Eigentumszeichen.

Das Wiesbadener Wappen
In den nassauischen Städten kamen Siegel seit dem frühen 13. Jh. auf. Das 1314 für Wiesbaden erstmals belegte Stadtsiegel ist somit relativ jungen Datums. Es zeigte auf mit Schindeln besätem Grund den nassauischen Löwen im Schild: ein Symbol der Abhängigkeit vom Landesherrn und nicht so sehr ein Zeichen städtischer Autonomie.
Erste Spuren eines Stadtwappens datieren demgegenüber aus dem frühen 16. Jh. In gewollter Abgrenzung vom Stadtherrn, so hat es Otto Renkhoff interpretiert, wurde 1512 ein städtisches Gerichtssiegel geschaffen, das zwar auch noch den nassauischen Löwen enthält, zusätzlich jedoch drei zwei zu eins gestellte Lilien, die ungewöhnlich groß sind und die Umschrift des Siegels durchschneiden. Diese Lilien sind daher nicht als nebensächliche Beizeichen des Siegels zu werten, sondern das erste Zeugnis eines Wiesbadener Wappens. Die Wiesbadener Lilien schmückten in den nachfolgenden Jahrhunderten als einziges Symbol das Wiesbadener Wappen, das seit 1592 in vielfacher Ausprägung, insbesondere in der Bauplastik, überliefert ist. Am Alten Rathaus, auf dem Kupferstich von Matthäus Merian und an mehreren anderen Stellen findet sich dieses Wappen. Im 16. Jh. findet das städtische Emblem, und zwar als einzelne Lilie, Eingang in das städtische Signet, das kleine Siegel. Einzelne Lilie oder drei (eins über zwei) angeordnete Lilien begegnen häufiger als Hoheitszeichen in der Stadt. Zwischen 1898 und 1905 hielt man eine Kombination von Lilien und Nassauer Löwen für das echte Wiesbadener Stadtwappen.

Das alte Rathaus
Worauf ist die Symbolik der Lilie zurückzuführen, welche Bedeutung hat sie? Wie die gelehrten Humanisten im 16. Jh. sich die Entstehung des Wappens erklärten, zeigt sich im Jahre 1562. Graf Philipp II. von Nassau bemühte sich in diesem Jahr bei dem in Frankfurt weilenden Kaiser Ferdinand I. um eine Bestätigung der Wiesbadener Privilegien, darunter auch um eine Bestätigung des Wiesbadener Wappens, das der Stadt angeblich zur Zeit Karls des Großen verliehen worden sei. In dieser Argumentation vermischt sich die Erinnerung an Wiesbadens ruhmreiche, wenn auch sehr kurzfristige Vergangenheit als Reichsstadt mit der Interpretation der Lilie als Attribut Kaiser Karls. Im 14. Jh. nämlich hatte die mittelalterliche Heraldik dem großen Frankenkaiser nachträglich ein Phantasiewappen zugesprochen, das neben dem Reichsadler auch die Lilie enthielt. Aus diesem vermeintlichen Wappen Karls des Großen dürften die Wiesbadener Bürger um 1500 das Symbol in ihr Wappen übernommen haben, da man damals Wiesbaden für eine Gründung des Frankenkaisers hielt. Die Farben des Stadtwappens hingegen, gelbe Lilien auf blauem Feld, verweisen auf die Grafen von Nassau.






